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23.05.22, 15:04
Ukrainer in Deutschland: „Für uns in Ostdeutschland wäre das ein riesiger Gewinn“ –  in WELT

https://www.welt.de/vermischtes/plus238914927/Ukrainer-in-Deutschland-Fuer-uns-in-Ostdeutschland-waere-das-ein-riesiger-Gewinn.html?cid=socialmedia.whatsapp.shared.web

UKRAINER IN DEUTSCHLAND

„Für uns in Ostdeutschland wäre das ein riesiger Gewinn“
Von Anna Shemyakova

Am Chemnitzer Stadtrand steht ein ganz besonderer Häuserblock. Hier leben 200 Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Ihre Zukunft ist noch immer ungewiss. Doch sie bringen womöglich etwas mit, was der Stadt fehlt.

Der Samstag ist ein besonderer Tag in der Fritz-Fritzsche-Straße. Dann kommen die Helfer Jan Lötzsch und Vivien Graupner vom Wochenmarkt und bringen einen vollen Kofferraum Obst und Gemüse mit. Für ihre „Gäste“, wie sie die Ukrainer nennen, die vor dem Angriffskrieg in ihrem Land (/themen/ukraine-krise/) geflohen sind. Besonders beliebt sind exotische Früchte wie Mango oder Ananas, die in der Ukraine für gewöhnlich sehr teuer sind. Die Früchte kauft Jan Lötzsch zum Sonderpreis, nachdem der Markt schließt. Darunter auch solche, welche die Händler nur schwer losbekommen. Krumme Möhren oder kleine Gurken seien in der Ukraine etwas ganz Normales – dort kauft man Obst und Gemüse eben so, wie es gewachsen ist, erzählt Lötzsch. Den Einkauf bezahlt er von Spenden, oft aber auch aus dem eigenen Geldbeutel. 200 Menschen aus der Ukraine leben im sechsstöckigen Häuserblock des Chemnitzer Fritz-Heckert-Gebiets, verteilt auf 44 Wohnungen. Es sind etwa 100 Frauen, genauso viele Kinder und drei Männer, die die Ukraine ausnahmsweise verlassen durften. Einer ist Vater von drei Kindern und der andere begleitete seine betagten Schwiegereltern auf der Flucht. Sie gehören zu den 700.000 Menschen, die seit Beginn der Invasion in der Ukraine nach Deutschland kamen. In Chemnitz haben sie ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Viele der Geflüchteten gehen in die Großstädte. Ein Fehler, meint Jan Lötzsch. „In Frankfurt, Berlin oder München bekommt man keine Sozialwohnung. Sie sollten nach Sachsen oder Thüringen, in die kleineren Städte. Dort gibt es einen riesigen Leerstand“, sagt er. So wie in Chemnitz, wo 14 Prozent aller Wohnungen leer stehen.

Zwar sei die Gegend im Fritz-Heckert-Gebiet grün und ruhig, aber für viele zu weit vom Zentrum der knapp 250.000 Einwohner großen Stadt entfernt, erzählt Objektleiter Jürgen Schaab. Knapp 30 Minuten braucht man mit dem Auto oder der Straßenbahn in die Innenstadt. Und obwohl das Gebiet am Stadtrand mit Supermärkten, Schulen und Kindergärten eine gute Infrastruktur habe, sei die Vermietung schwer. Es gebe kaum Zugezogene, die Studenten wollten nah an der Universität leben.

Eine Chance für Jan Lötzsch, der einen Facebook-Aufruf startete, um Wohnungen für Geflüchtete aus der Ukraine zu finden. Jürgen Schaab antwortete, er habe da einen ganzen Häuserblock. Mit seinem Chef bei der Immobiliengesellschaft „Diwo Home“ handelte er aus, dass die Ukrainer keine Kaution zahlen mussten und so lange umsonst dort wohnen sollten, bis Hilfe vom Sozialamt käme. Jede der Wohnungen liegt im sozialen Rahmen, für 56 Quadratmeter zahlt man hier knapp 400 Euro. Doch es gab noch ein Problem: Die Wohnungen standen komplett leer, nicht einmal Küchen waren drin. Jan Lötzsch begann, nach Möbeln und Freiwilligen zu suchen, um die Wohnungen für die Geflüchteten auszustatten. Eine der ersten Helferinnen war die 35-jährige Chemnitzerin Vivien Graupner. Gemeinsam suchten sie nach kostenlosen oder günstigen Möbeln, strichen Wände, erneuerten die Böden und begleiteten die Neuankömmlinge zu Ämtern und Behörden. In den ersten Wochen kam Graupner jeden Tag vor ihrer eigentlichen Arbeit im Reisebüro für anderthalb Stunden in die Fritz-Fritsche-Straße, um zu helfen und einzurichten. Auch Lötzsch war neben seiner Vollzeitstelle in einem Telefongeschäft fast täglich da. Es fanden sich Dutzende weiterer Freiwilliger, die so mittlerweile 44 Wohnungen mit dem Nötigsten ausstatteten.

„Hier hören wir keine Explosionen mehr“

Eine der ersten Mieterinnen war Natalia Kirkgan, die gemeinsam mit ihren Eltern aus Kiew nach Deutschland kam und Anfang April in eine der neuen Wohnungen eingezogen ist. Wegen gesundheitlicher Probleme der Eltern sei Deutschland die erste Wahl gewesen, erzählt die 40- Jährige. Sie hörten, dass es hierzulande gute Krankenversicherungen gebe und man mit den Geflüchteten sehr sozial umgehe. Ende Februar sollte die Mutter an der Hüfte operiert werden, doch dann brach der Krieg aus. In einem Erstaufnahmelager für Geflüchtete konnten die hochbetagten Eltern nicht bleiben, sie kamen bei einer Gastfamilie in Bayern unter, bevor sie nach Chemnitz zogen. „Es ist ein riesiges Glück, dass wir unsere eigene Wohnung haben“, sagt Kirgan, „wir können endlich durchatmen.“ Vor der Flucht aus Kiew sei die Lage immer angespannter geworden. Sie hätte mit der Zeit gelernt, die verschiedenen Raketen nach Lauten zu unterscheiden, da eine Angriffsrakete anders klinge als eine Flugabwehrrakete. „Hier hören wir keine Explosionen mehr, müssen nicht mehr in den Keller flüchten“, sagt Kirgan. Ihr neues Zuhause ist spärlich und nur mit dem Nötigsten ausgestattet: Ein Bett, eine Küche, Tisch und Stühle. „Klar fehlen noch einige Dinge, aber wenn man es mit dem Krieg vergleicht, in dem wir früher lebten, geht es uns hier sehr gut“, erzählt Kirgan, die in der Ukraine als Juristin arbeitete.

Unbürokratisch handeln

Auch anderen Bewohnern fehle es teilweise noch an Möbeln, Gardinen hängen eingespannt im geschlossenen Fenster, die Wände sind leer.

Um Lötzsch und Graupner bilden sich Gruppen, wenn sie und andere Freiwillige in der Straße sind. Sie haben Fragen zu Dokumenten oder erkundigen sich nach Möbeln, alle Gespräche finden mit einer Übersetzung-App statt. Eine Bewohnerin möchte die Miete bar zahlen, da sie nicht mit dem Online-Banking zurechtkommt. Spontan organisiert Lötzsch für die nächste Woche einen Termin, an dem sie und andere das Geld bar bringen können – die Bürokratie möchte er für die Neuankömmlinge so einfach wie möglich gestalten und wünscht sich das gleiche für die Behörden. „Das Haus lebt“, sagt Objektleiter Schaab, der seit Einzug der 200 Gäste lediglich zwei Monatsmieten erhalten hat. Dafür spielen wieder Kinder auf der Wiese, Frauen unterhalten sich von Balkon zu Balkon, man hilft sich gegenseitig. Hinter dem Haus stellte Schaab den Bewohnern zwei Kleingärten zur Verfügung. Dort treffen sie sich, um zu grillen; einige wollen bereits Obst und Gemüse anbauen. Es ist ein Stück Lebensfreude, das sie hier nach den schlimmen Erlebnissen der letzten Monate zurückbekommen. Zudem sei es ein riesiger Vorteil, dass alle an einem Ort zusammenleben und sich gegenseitig unterstützen, sagt Lötzsch, „gerade dann, wenn schlechte Neuigkeiten aus der Heimat kommen.“

Es sind Nachrichten von Ehemännern, die in den Krieg eingezogen wurden, von flüchtenden Freunden oder von Häusern, die zerstört wurden – so wie bei Olessia Baranova und ihrer Mutter Svetlana. Mitte März verließen sie Charkiw in Richtung Deutschland und kamen Anfang April in Chemnitz an. Vor kurzem erfuhren sie, dass ihr ehemaliges Wohnhaus von einer Rakete getroffen wurde, auch ihre Wohnung soll beschädigt worden sein.

Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, wurde schwer bombardiert. Das russische Militär versuchte, die Stadt einzukreisen – bislang konnte die ukrainische Armee Widerstand leisten. Viele Zivilisten starben bei Raketenangriffen, Gebäude kollabierten, Menschen harrten in Kellern und U-Bahn-Stationen aus. Die 62-Jährige Swetlana Baranova erinnert sich, wie sie bis zu zehnmal am Tag aus dem achten Stock ihres Hauses zu Fuß in den Keller laufen musste, um sich vor den Angriffen zu schützen. Nicht einmal in den Supermarkt konnte sie gehen, weil ständig der Raketenalarm ertönte. Als ihre 24-jährige Tochter dennoch einkaufen ging, schlug unweit von ihr eine Rakete ein. Verletzt wurde sie glücklicherweise nicht, aber kurze Zeit später verließen sie Charkiw über Polen und warteten dort, bis Anfang April die Wohnungen in der Fritz-Fritzsche-Straße bezugsfertig waren. Hier leben sie seit über einem Monat, zwar in Sicherheit, doch begleitet von ständiger Zerrissenheit. Einerseits würden sie gern Deutsch lernen, sich einleben und eine Arbeit finden. Doch gleichzeitig sehnen sie sich nach ihrem Zuhause, nach Freunden, der Familie – und trauern darüber, was aus ihrem Heimatland geworden ist. Sie wissen nicht, ob es noch etwas geben wird, zu dem sie zurückkehren können.

Ukrainer könnten Personallücken füllen

Baranova geht es wie vielen im Haus, obwohl sie wissen, dass es den Kindern in Deutschland vermutlich besser gehen würde. Viele von ihnen gehen bereits in die Schule. Vor den Erwachsenen steht die große Hürde, Deutsch zu lernen, falls sie eine Arbeit finden wollen. In Chemnitz gibt es viele freie Stellen – in vielen Branchen fehlt Personal, sagt Lötzsch. Diese Lücken könnten irgendwann Menschen aus der Ukraine füllen, falls sie sich entscheiden, in Deutschland zu bleiben. „Natürlich hat der Staat erst mal Kosten. Aber die Ukrainer sind eine leistungswillige Bevölkerung. Irgendwann würden sie Jobs bekommen und Steuern zahlen. Für uns in Ostdeutschland wäre das ein riesiger Gewinn“, sagt er. Bis es soweit ist, stehen sie jedoch vor großen Herausforderungen, bürokratischen Eigenheiten, einer ihnen unbekannten Sprache und der stetigen Ungewissheit, wie es der Familie und den Freunden daheim geht. Doch in der Fritz-Fritsche-Straße bekommen sie direkte Hilfe, Obdach und die eine oder andere kleine Lebensfreude.

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